Keine Partei der Homogenität

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Die AfD ist keine Partei, die eine homogene Gesellschaft anstrebt. Sie will nicht zurück in ein Deutschland der 50er, 40er oder 30er Jahre; egal welchen Jahrhunderts. Sie ist eine Moderne Rechte, so wie es die NSDAP zu ihrer Zeit war. Es ist daher zwingend logisch, dass sie, wenn Sie Moderne Rechte sein will, anders sein muss als die NSDAP. Das macht sich aber nicht an ihren Zielen allein Fest und auch nicht an ihren propagierten Werten.
Die NSDAP bediente sich der damals modernen Form der Herstellung von Öffentlichkeit: Mobilisierung der Massen. Die damaligen Gesellschaften hatten die Individualität zwar intellektuell Propagiert. Sie erlaubten es aber tatsächlich nur Eliten des Bürgertums diese auszuleben. Was für sie galt war, war noch lange nicht für alle möglich. Es fielen die Dogmen aber es fehlten die Mittel für den Einzelnen. Die Vergrößerung der Schnittmenge von können und dürfen hat erst der aktive Sozialstaat ermöglicht. Erst in einem solchen Staat konnte jeder auch so leben, wie er durfte, da materielle Hürden durch den Staat überwunden wurden.

Die NS Ideologie versprach daher die damals massentauglichste Heilsbotschaft: Ein sorgloses Leben in traditioneller Weise, in der die Grundbedürfnisse für alle gleich befriedigt wurden. Ein darüber hinausgehende Botschaft hätte Themen adressiert, die für die damaligen Massen außerhalb ihres Horizonts gewesen wären.
Dennoch gibt es Grundmuster der Argumentation, die sich sowohl bei der AfD als auch bei der NSDAP wiederfinden. Will man die AfD, wie oft gefordert, inhaltlich bekämpfen, so muss man genau differenzieren und benennen welche Inhaltsebene man anspricht.
Ähnlichkeiten der beiden Parteien bestehen in ihrem grundlegenden Antrieb auf Machterlangung und Machterhalt. Gleichgültig was nach der Erlangung folgt. Macht ist für beide Organisationen ein Wert an sich. Legitimiert sich durch das eigene Bestehen und verlangt Unterwerfung.

Subordination ist das zentrale Element beider Ideologien.

Hieraus folgt ihre Grundsätzliche Unvereinbarkeit mit einer pluralistischen Gesellschaft. Denn das Gegenteil von Pluralismus ist nicht allein nur Homogenität. Das Gegenteil von Pluralismus ist Ständegesellschaft, ist ein Kastensystem. Es ist ein System in dem Rechte nicht für alle und schon gar nicht für alle gleich gelten. Es ist ein System der Subordination und es bedient sich der Inhalte die die Subordination rechtfertigen sollen: Rasse, Geschlecht, Herkunft, Stand, Vermögen. Und es macht glauben sie würde Ordnung und Stabilität herstellen. Eine Gesellschaft die so organisiert ist, ist nicht stabil. Sie ist auch nicht geordnet. Sie ist gespalten und erlegen. Sie hat keine Dynamik und keine Entfaltungsmöglichkeiten. Und genau das ist das Ziel der AfD.
Bewegungen wie die AfD und die NSDAP brauchen diese Spaltung der Gesellschaft, weil nur so der Machterhalt gewährleistet ist. Sie brauchen erlegte Gesellschaften.
Wer Macht als Wert an sich sieht, wer es als Wert an sich sieht andere in ein Subordinationsverhältnis zu nötigen, für den ist jeder Inhalt, jede Idee, jeder Grund Mittel zur Machterlangung und zum Machterhalt.
Daher kann man die AfD nicht allein mit ihren artikulierten Inhalten bekämpfen, denn sie sind für diese und für Bewegungen diese Art beliebig und austauschbar und immer Mittel zum Zweck.
Das macht es für die demokratischen Parteien so schwierig sich mit diesen Gruppen auseinanderzusetzen. Will die offene Gesellschaft sich behaupten, so muss sie sich die Machtfrage stellen und Antworten geben, warum Macht an sich keinen Wert darstellt, sondern sich nur aus den gesetzten Zielen legitimiert.

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