Email an Phoenix und Antwort von der Redaktion zur Sendung „Phoenix Runde“ vom 01.06.2016 zur Bundestagsresolution zum Völkermord an den Armeniern

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Sehr geehrte Frau Plättner, sehr geehrte Phoenix Redaktion der „phoenix Runde“,

ich schreibe Ihnen bewusst zeitversetzt zu diesem wichtigen Thema, auch um die nötige Distanz zu verdeutlichen. Ebenso deutlich möchte ich auch meine Kritik an der Zusammenstellung der Gäste und die Moderation der Sendung ausdrücken, die auf eine kritikwürdige Vorbereitung schließen lassen.
 
Dabei soll es hier überhaupt nicht um formalargumentative Manöverkritik gehen. Vielmehr möchte ich Sie mit dem Vorwurf konfrontieren, bereits in der Überschrift der Sendung jenen eklatanten Fehler zu begehen, der immer dann entsteht, wenn Journalismus sich unabhängig gerieren will, sich jedoch aus Eigennutz mittelbar instrumentalisieren lässt. Spätestens nach der denkwürdigen Debatte des Bundestages vom 24.04.2015 und der Rede des Bundespräsidenten am Vorabend kann es sich bei der Benennung des Völkermordes an den Armeniern nicht um eine in Frage gekleidete Formulierung handeln. Allerspätestens kann dies nach dem normativen und formalen Beschluss des Bundestages vom 02.06.2016 nicht mehr geschehen.
Bereits der Titel Ihrer Sendung hat daher nahegelegt, dass es Ihnen und dem Team darum zu gehen schien journalistische Aufklärungsarbeit durch eine fragende Haltung zu leisten. So gerne ich dieses Anliegen unterstütze, so sehr fordere ich Sie auf dies nicht auf Kosten der Opfer eines Völkermordes zu tun. Denn genau das tun Sie, wenn sie diese Tatsache als aufklärungsbedürftig deklarieren. Über das Ob gibt es nichts mehr aufzuklären. Das zu sagen muss erlaubt sein, auch wenn man sich als objektiv ansehen und angesehen werden will.
Ebenso unglücklich ist die Auswahl der Gäste dieser Sendung. Warum wird hierzu ein Vertreter des Systems der Leugnung eingeladen? Man stelle sich dies in anderen Zusammenhängen vor. Warum wird in ihrer Sendung erlaubt, dass derjenige bezugnehmend auf Opfer dieses Leugnungssystems -gemeint ist hier Hrant Dink, der sich zeitlebens für die Aufarbeitung eingesetzt hat- benutzt wird, um unsägliche Beschwichtigungsformeln zu fabulieren? Es ist eine Ungeheuerlichkeit solches als Moderatorin einfach durchgehen zu lassen. Sie bieten diesen Leugnern eine Bühne, dann ist es an Ihnen diese Leugnung zu entlarven. Zumal andere Teilnehmer deutlich Stellung beziehen und sagen, dass solch ein Vorgehen eben nicht durchkommen darf. Ich unterstelle Ihnen hierbei aber keine böswillige Absicht, sondern schlicht schlechte Vorbereitung und das Unvermögen sich in die Perspektive der Überlebenden und Ihrer Nachkommen hineinversetzen zu können. Dazu ein letztes Wort. Zu den Besonderheiten des Völkermordes an den Armeniern gehört neben ihrer oft beschriebenen Barbarei und dem Fehlen eines Begriffs zum Zeitpunkt der Tat auch die ihre Leugnung. Hierzu gibt es eine ausgeprägte Fachliteratur. Ihre Sendung fällt genau in diesen Forschungsbereich. Durch die Fragestellung im Titel und die Nachlässigkeit im Umgang mit Leugnungsvertretern müssen Sie sich letztlich den Vorwurf gefallen lassen an der Leugnung mitzuwirken, indem Sie bereits geklärtes wiederholt in Frage stellen. Und Sie müssen sich den Vorwurf gefallen lassen durch dieses Verhalten auch im Widerspruch zu den Werten unseresLandes zu stehen, die in der Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern resultieren.
Mit freundlichen Grüßen
Sarkis Bisanz

 

 

Antwort von Phoenix

Sehr geehrter Herr Bisanz,

vielen Dank für Ihre Zuschrift an phoenix anlässlich unserer phoenix Runde´.

 

Wir freuen uns sehr darüber, dass Sie sich inhaltlich mit unserer Sendung auseinander gesetzt haben und uns Ihre Meinung mitteilen.

Sicher verstehen Sie, dass uns eine Vielzahl von Rückmeldungen erreichen, weshalb es uns leider nicht möglich ist, auf jede individuell einzugehen. Hinzu kommt, dass wir als öffentlich-rechtlicher Fernsehsender zur Neutralität verpflichtet sind und insofern keine wertende Stellungnahme vornehmen können.

Sie können sich jedoch sicher sein, dass Ihre Anregungen nicht nur gelesen, sondern auch redaktionell ausgewertet werden.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie weiterhin unsere phoenix Runde aufmerksam und kritisch begleiten.

Mit freundlichen Grüßen von phoenix

 

Kirsten Schunk

 

2 Gedanken zu „Email an Phoenix und Antwort von der Redaktion zur Sendung „Phoenix Runde“ vom 01.06.2016 zur Bundestagsresolution zum Völkermord an den Armeniern“

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